New Work: Welche Vor- und Nachteile bietet Ihnen die neue Arbeitskultur?

Schöne neue Arbeitswelt: Himmlische Ruhe ohne den Trubel im Großraumbüro, null Unterbrechungen durch Kollegen, volle Konzentration auf Ihr Thema – von zu Hause aus zu arbeiten ist einfach großartig, oder? Wären da bloß nicht die vielen Ablenkungen, die das Büro in den eigenen vier Wänden birgt – der riesige Wäscheberg, Ihr privater Papierkram oder der Paketbote, der immer nur bei Ihnen klingelt. Ist Remote Work, also das Arbeiten ohne 100%-Präsenzpflicht, vielleicht doch gar nicht so viel besser als „9 to 5“ im Büro?

Eines ist klar: Der klassische 8 Stunden-Bürotag hat ausgedient. New Work ist als Schlagwort seit einigen Jahren in aller Munde. Der Begriff bezeichnet den Wandel der Arbeitswelt in Folge der Digitalisierung. Arbeiten ist nicht mehr notwendigerweise gebunden an feste Präsenzzeiten im Unternehmen. Menschen können flexibler und autonomer arbeiten und ihren Arbeitsort selbst wählen. Heute liegt der Verwendung des Begriffs „New Work“ meistens der Gedanke zugrunde, dass durch die Stärkung der Motivation von Arbeitnehmern ein besseres Arbeitsresultat erzielt wird, da sich so die Produktivität des Einzelnen erhöht. Dieser Motivationsschub soll durch die stärker selbstbestimmte Arbeit erzielt werden.

Methoden im New Work

In der globalisierten Welt ermöglicht New Work flexibles, ortsunabhängiges Arbeiten. Im Sinne einer ausgewogenen Work-Life-Balance wird die Arbeit dem individuellen Leben angepasst und nicht umgekehrt. Die Digitalisierung hat New Work in seiner heutigen Form erst ermöglicht. Flexible Technik-Lösungen für effiziente Kollaboration sind unerlässlich für das Arbeiten in virtuellen, standortübergreifenden Teams. Immer öfter werden Projekte in sogenannten fluiden Teams bearbeitet, also in interdisziplinären Teams ohne festen Mitgliederstamm, deren Zusammensetzung sich ad hoc und projektbezogen ergibt und sich deshalb regelmäßig ändert. Agile Arbeitsmethoden wie Scrum und Kanban ermöglichen neue Arbeitsformen. Beide Projektmanagement-Methoden basieren auf regelmäßigen, kurzen Meetings, in denen die Teammitglieder über den Status ihrer jeweiligen Aufgaben berichten. So sollen Entwicklungsprozesse „lean“ – also schlank – gestaltet werden, um in Großprojekten schnell und flexibel auf Veränderungen reagieren zu können. In der immer dynamischer werdenden Arbeitswelt wurde das Konzept des agilen Arbeitens von einzelnen Projekten auf ganze Unternehmen übertragen, um deren Wettbewerbsfähigkeit zu garantieren.
New Work umfasst allerdings nicht nur neue Arbeits-, sondern auch neue Management-Methoden. Althergebrachte, strenge Hierarchien werden aufgebrochen und Führungskräfte agieren verstärkt in der Rolle von Mentoren. Sie geben ihren Mitarbeitern mehr Freiraum und bewerten deren Arbeitsleistung ausschließlich anhand von Resultaten. Wann und wie diese Ergebnisse erarbeitet wurden, ist nicht relevant. Dieses New Leadership ist eine der wichtigsten Voraussetzung für eine adäquate Umsetzung von New Work-Konzepten.

Die Arbeit in standortübergreifenden Teams ist durch die Digitalisierung fester Bestandteil des Arbeitsalltags geworden.

New Work – Die ursprüngliche Definition von Frithjof Bergmann

Der Begriff „New Work“ wurde ursprünglich vom deutsch-österreichischen Philosophie-Professor Frithjof Bergmann in den 1980er Jahren geprägt. Bergmann will Arbeit grundlegend so konzipieren, dass sie dem Menschen dient, indem sie ihm größere persönliche Freiheit und Sinnstiftung bietet. Die Digitalisierung hat durch die Automatisierung von Arbeitsabläufen in diesem Sinne stark zur Entlastung des Menschen beigetragen. Bergmann forderte mit seinem kapitalismuskritischen Konzept des New Work ursprünglich nicht weniger als die Revolutionierung der klassischen Lohnarbeit. In den vergangenen Jahren mahnt der Begründer der New Work-Bewegung an, dass sein Konzept nicht zu einem bloßen Werbegag im Dienste des Employer Brandings verkommen darf.

Manche Menschen fühlen sich von ihren Kollegen im Büro abgeschnitten, wenn sie überwiegend im Home-Office arbeiten.

New Work: Pro und Kontra

Es ist offensichtlich, dass New Work große Vorteile für Arbeitnehmer bietet. Sie können ihre berufliche Tätigkeit besser mit ihrem Privatleben vereinbaren. Allerdings ist New Work mit seinen flexiblen Formen und der Forderung nach Eigenverantwortung nicht für jeden Persönlichkeitstyp geeignet. Eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkts- und Berufsforschung (IAB) belegt, dass Remote Work, also das standortunabhängige Arbeiten, und das damit einhergehende Work-Life-Blending ambivalent eingeschätzt werden.

Vorteile von New Work

  • Work-Life-Blending erlaubt eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Es ist zum Beispiel deutlich unkomplizierter, Arzttermine wahrzunehmen oder seine Kinder zur Kita zu bringen.
  • Remote Work im Home-Office spart viel Zeit. Verspätete Züge oder Staus im Berufsverkehr fallen weg.
  • Im Home-Office gibt es weniger Ablenkung und Arbeitsunterbrechungen als im (Großraum)-Büro. New Work begünstigt also fokussiertes Deep Work.
  • Die selbstgewählte Arbeitsumgebung lässt sich individuell besser anpassen als der Arbeitsplatz beim Arbeitgeber. Das kann sich positiv auf die Produktivität
  • New Work erlaubt auch im Rahmen eines festen Arbeitsverhältnisses längere Auszeiten für Selbstfindung und persönliche Entwicklung, etwa in Form von Sabbaticals.



Nachteile von New Work

  • Die Umstellung von festen Hierarchien auf stärker selbstbestimmtes Arbeiten führt bei manchen Menschen zu einer Überforderung.
  • Durch Arbeiten im Home-Office kann man den Anschluss an die Kollegen im Büro verlieren und sich vom Flurfunk abgeschnitten fühlen.
  • Work-Life-Blending kann Selbstausbeutung begünstigen. Es gibt keine räumliche Trennung von Arbeitsplatz und privatem Umfeld. Deshalb werden vorgeschriebene Ruhezeiten möglicherweise nicht mehr eingehalten.
  • New Work basiert stark auf technologischen Lösungen, die Einarbeitung in neue Tools und Plattformen ist unerlässlich. Digital natives sind hier klar im Vorteil gegenüber Arbeitnehmern, die lange in klassischen Arbeitsumgebungen gearbeitet haben.
  • Remote Work kann Arbeitsschutz- und Datenschutzbestimmungen zuwiderlaufen, wenn etwa der Arbeitsplatz nicht ergonomisch eingerichtet ist oder die Arbeit mit sensiblen Daten an öffentlichen Orten passiert (Stichwort: Arbeiten im Café).

Fazit

Es hängt von Ihrem Persönlichkeitstyp und Ihrer Tätigkeit ab, ob für Sie die Vor- oder Nachteile von New Work überwiegen. Das Konzept New Work wurde entwickelt, um dem Wohl des Menschen zu dienen und seine Freiheit zu vermehren. Mit diesem Gewinn an Freiheit ist allerdings auch ein Zuwachs an Verantwortung verbunden, der belastend sein kann. Die potenziellen Nachteile, die sich aus New Work ergeben können, müssen in den kommenden Jahren durch eine Überarbeitung des Arbeitsrechts und neue Strategien von Personalabteilungen minimiert werden.


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