The Zoo Project

Die wilde Weite

Places

Wie die Zukunft klingt? Das erfahren Sie hier – wo die Musik spielt. An den Orten, an denen Innovative und Experimentierfreudige zusammenkommen, um gemeinsam mit anderen Neues zu hören und neu zu hören. Wir laden Sie ein, einen Blick hinter die Kulissen dieser Audiowelten zu werfen: angesagte Clubs, legendäre Aufnahmestudios, Kunst- und Klanglocations

Hier feiert man nicht am Strand. Sondern mitten in der Wildnis. Ohne bekannte DJs, zwischen Leuten mit Tierbemalung. Klingt nicht nach Ibiza. Auch nicht nach tiefgründiger Club-Philosophie. Das Zoo Project ist aber beides.

  • Autor: Janna Cramer
  • Fotos: The Zoo Project/DJ Marketing and Communication Ltd.
  • Video: DJ Marketing and Communication Ltd.

Jean-Jaques Rousseau wanderte Zeit seines Lebens. Damals, im 18. Jahrhundert, war das eine beschwerliche Beschäftigung. Vor allem aber auch eine ziemlich lang dauernde. Rousseau hatte also jede Menge Zeit, um sich seine klugen Gedanken zu machen, die ihn zum Wegbereiter der französischen Revolution werden ließen, zu einem der wichtigsten Philosophen bis in die Gegenwart hinein. Sein Credo „Zurück zur Natur“ propagieren heute die Hipster von Berlin bis nach New York. Was Rousseau sagen wollte: nur im Naturzustand könne der Mensch friedvoll zusammenleben, sich ohne Vernunft auf sein Gefühl stützen. Harter philosophischer Tobak. So hart, dass Rousseau irgendwann zugab, dass dieser ideale Zustand wohl nie bestehen kann.

Knapp 300 Jahre später beweisen die Macher des Zoo Projects fernab vom Prenzlauer Berg oder Williamsburg genau das Gegenteil. Auf Ibiza, etwa zehn Auto-Minuten von San Antonio entfernt, schaffen sie von Anfang Juni bis Ende September jeden Samstag ihren Naturzustand, in dem sie das Partyverhalten der restlichen Insel auf den Kopf stellen. Das Zoo Project auf dem Gelände des Benimussa Parks im Süden der Insel ist etwas Besonderes. Jeder kann kommen, wie er will. Der Mensch soll sich auf sein Gefühl verlassen, seine Vernunft außerhalb des ehemaligen Zoos lassen. Animal-Bodypaintings werden besonders gern gesehen. Weil hier eben alles tierisch zugeht. Wo früher Seerobben ihre Kunststücke aufführten, tuen das heute die Tänzer. Durch einen kleinen Pool von einer kolloseumsartigen Tribüne getrennt, führen sie ihre ganz eigene Show auf. Mit Elementen aus Ballett, Capoeira oder Breakdance, mit Schlangen um den Hals. Und auch das ist hier anders: während der Freiluft-Parties zwischen 16 bis 24 Uhr legen keine Mainstream-DJs auf. Hier läuft Underground-Electro vieler zwar internationaler, aber eben eher unbekannterer Musiker. Als fände jeden Samstag ein neues, eigenes Festival statt. Zwei weitere Floors bieten Techno und House.

Das Zoo Project startete 2006 als einer der ersten Freiluft Electro-Clubs Ibizas. Aber ohne die sonst so typische Design-Ausstattung. Hochglanz-Lounges und verspiegelte Decken gibt’s hier nicht. Der Club will kein Club sein, will stattdessen eine andere Welt, eine neue Dimension bieten. Aber keine Angst, wer sie betritt, muss sich nicht mit philosophischem Gerede langweilen. Wer sie betritt, soll sich nur durch Musik ausdrücken, alles andere hinter sich lassen. Ein Idealzustand, der Realität wurde. Ach, wäre Rousseau auf seinen Reisen doch bloß an einem Ort wie diesem vorbei gewandert.

Adresse: C/ Romaní, 18, 07820 Sant Antoni de Portmany, Ibiza
Kapazität: 5000
Dresscode: Casual
Öffnungszeiten: 16.30 – 0.00 (letzter Einlass)
Eintritt: Standardticket ab 35 Euro, VIP-Tisch (vier Personen) 440 Euro, Top VIP-Tisch 1320 Euro.
Homepage: www.thezooproject.com